Seniorengenossenschaften, Seniorengemeinschaften

Seniorengenossenschaften / Seniorengemeinschaften können Rahmenbedingungen ermöglichen, welche Bürgerinnen und Bürgern im dritten Lebensabschnitt auch bei Hilfe- und Pflegebedarf ein selbstbestimmtes und selbstgestaltetes Leben ermöglichen.

Was kann eine Seniorengenossenschaft / -gemeinschaft leisten?

In „Seniorengenossenschaften / Senoirengemeinschaften“ wird bürgerschaftliches Engagement „im genossenschaftlichen Geist“ der Hilfe auf Gegenseitigkeit gelebt. Die dort engagierten Mitglieder helfen sich gegenseitig und können für ihren Einsatz ein entsprechendes Entgelt ausgezahlt bekommen oder sich entsprechend Zeit gutschreiben lassen, um diese später, wenn sie selbst einmal Hilfe benötigen, wiederum in Form von Diensten in Anspruch nehmen zu können (wer z.B. 100 Stunden durch Arbeiten anspart, kann später auch 100 Stunden kostenfrei abrufen).

Beispiele für Leistungen sind:

  • Kleine technische und handwerkliche Hilfen und Reparaturen
  • Hilfe beim Einkaufen, bei Besorgungen
  • Begleitung zu Arzt und Behörden
  • Besuchsdienste, Vorlesen, Spazieren gehen
  • Haustierbetreuung
  • Hilfe bei der Gartenarbeit
  • Gesellschaft leisten
  • Hilfestellungen bei vorübergehenden Erkrankungen zu Hause

Förderung von Seniorengenossenschaften

Das Bayerische Sozialministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen unterstützt die Gründung von Seniorengenossenschaften im Rahmen einer befristeten staatlichen Förderung i.H.v. bis zu 30.000 €.

Das Eckpunktepapier „Seniorengenossenschaften: Von der Idee bis zum Start“ können Sie sich hier herunterladen. Es enthält neben den Fördervoraussetzungen auch Informationen zur Rechtsform, zum Arbeitsrecht und wie die ersten Schritte einer Gründung aussehen.

Befragung bei bayerischen Projekten

2016/2017 hat die Koordinationsstelle Wohnen im Alter 14 Seniorengenossenschaften in Bayern mit einer Befragung erfasst. Sie umfasst damit fast alle bestehenden Projekte und ist somit für die bayerische Sitaution zum Erhebungszeitpunkt repräsentativ.

Mit der Befragung der bayerischen Seniorengenossenschaften konnte gut dargestellt werden, dass die Gründungsimpulse meist von engagierten Bürgern / Institutionen ausgehen. Der Aufbau einer Seniorengenossenschaft gelingt vor allem auch, da mit der Anschubfinanzierung durch das StMAS die Grundlage für eine professionelle Struktur gelegt werden kann.

Es zeigte sich, dass die Projekte vor allem durch das hohe Engagement der (z.T. rein ehrenamtlich) tätigen Personen funktionieren. Dabei kommt insbesondere den Initiatoren und Vorständen eine wichtige Rolle zu. Selbst wenn ein/e bezahlte/r Koordinator/in beschäftigt wird, bedarf es eines intensiven, kontinuierlichen Engagements durch die Ehrenamtlichen, welche die Ziele des Projekts verkörpern, mit ihrer Persönlichkeit vertreten und Vernetzung vor Ort herstellen und pflegen. Die Projekte haben gezeigt, dass in Bezug auf die Qualifikation der Verantwortlichen vielfältige „Talente“ notwendig sind, die sich in unterschiedlichen Berufsfeldern wiederfinden.

Je größer die Mitgliederzahl und je höher die Bereitschaft zum Engagement in der Seniorengenossenschaft ist, desto vielfältiger ist das Spektrum an gegenseitig gebotenen Leistungen. Daher ist eine große Mitgliederzahl wünschenswert. Seniorengenossenschaften brauchen feste Ansprechpartner und eine zeitlich möglichst umfassende Präsenz. Bei Mitgliederzahlen von mehreren hundert Personen ist ein rein ehrenamtliches Projekt jedoch nicht mehr möglich und sinnvoll. Die Seniorengenossenschaften brauchen für einen Erfolg entsprechende Strukturen: feste Mitarbeiter, Büro, Materialien, (zur Verfügung gestellte) Pkws, da bei den Menschen vor Ort zugehende Arbeit geleistet wird und auch bei vielen Projekten nicht unerheblich längere Fahrtstrecken zu bewältigen sind. Weiterhin benötigen die helfenden Mitglieder eine Absicherung ihres Tuns. Ein Abschluss entsprechender Versicherungen sind hierfür selbstverständlich.

Dies alles führt dazu, dass eine sichere Basisfinanzierung gewährleistet sein muss. Wenn die Beiträge (z.B. für Mitgliederbeitrag oder in Anspruch genommene Leistung – i.d.R. von 8 Euro) nicht deutlich erhöht werden sollen, müssen deshalb Drittmittel (Geld und Sachspenden) akquiriert werden (z.B. von Kommunen, dem Landkreis, Kirchengemeinden, privaten Spenden, etc.).

Zum Wohle aller Bürgerinnen und Bürger wird durch Seniorengenossenschaften und die Hilfe auf Gegenseitigkeit ein lokales und innovatives Angebot geschaffen, das den sozialen Zusammenhalt stärkt und ein längeres und selbstbestimmtes Leben in der gewohnten Umgebung ermöglicht und sich sowohl für die Kommunen als auch für deren Bürgerinnen und Bürger lohnt.

Zum Bericht

Aktuelles zum Thema

Austauschtreffen: Seit 2015 findet ein durch die Koordinationsstelle „Wohnen im Alter“ organisiertes Austauschtreffen der Seniorengenossenschaften in Bayern statt.

Die Broschüre "Wegweiser zur Gründung von Seniorengenossenschaften" können Sie direkt bei der Bayerischen Staatsregierung hier bestellen. Der praxisorientierte Wegweiser unterstützt den qualitätsgesicherten Aufbau der "Seniorengenossenschaften" und stellt für die meist aus der Bürgerschaft heraus agierenden Akteure eine wertvolle Arbeitshilfe dar.

Auf der Homepage des Sozialministeriums können Sie sich darüber hinaus Musteranträge, -satzungen, -formulare etc. herunterladen. 

Literatur

Seniorengenossenschaften. Organisierte Solidarität.
Hrsg.: Thomas Beyer, Edmund Görtler, Doris Rosenkranz. Beltz Juventa, Weinheim und Basel, 2015. Gefördert vom Bundesministeirum für Bildung und Forschung, Forschung an Fachhochschulen. ISBN 978-3-7799-2993-2

In diesem Sammelband werden zentrale Fragestellungen zum Thema Seniorengenossenschaften aufgezeigt. Diskutiert werden die Notwendigkeit und Chancen organisierter Solidarität in einer sich wandelnden Gesellschaft und deren Grenzen. Bei den Praxisbeispielen sind auch einige bayerische Projekte vertreten.