Gemeinschaftliche Wohnformen im Alter
Die Gestaltung der Wohnsituation im Alter erfordert eine vorausschauende Planung. Neben den klassischen Wohnformen gewinnen gemeinschaftliche Wohnmodelle zunehmend an Bedeutung und erweitern das bestehende Wohnangebot einer Kommune. Sie fördern nachbarschaftliche Unterstützung, soziale Kontakte und gegenseitige Hilfe im Alltag und ermöglichen gleichzeitig ein hohes Maß an Selbstständigkeit. Welche Wohnform sich eignet, hängt von den örtlichen Rahmenbedingungen, den Bedürfnissen der Zielgruppen sowie den vorhandenen Akteuren und Ressourcen ab.

Potenziale gemeinschaftlicher Wohnformen
Gemeinschaftliche Wohnprojekte ermöglichen älteren Menschen ein selbstbestimmtes, sicheres und aktives Leben. Sie verbinden die Vorteile einer selbstorganisierten Lebensführung mit den Stärken einer lebendigen Nachbarschaft und bieten damit eine attraktive Alternative zu klassischen Wohnformen.
Die wichtigsten Vorteile auf einen Blick
- Selbstbestimmung bis ins hohe Alter: Barrierefreie Wohnungen und gemeinschaftliche Strukturen ermöglichen ein möglichst langes Leben in den eigenen vier Wänden.
- Mehr Gemeinschaft und Zusammenhalt vor Ort: Soziale Kontakte im Alltag beugen Einsamkeit vor und fördern ein aktives Miteinander durch eine lebendige Nachbarschaft.
- Gegenseitige Unterstützung und Sicherheit: Nachbarschaftliche Hilfe und das Teilen von Aufgaben schaffen Geborgenheit, erleichtern den Alltag. Hilfen können unkompliziert organisiert werden und bieten Unterstützung auch bei einer vorübergehenden Hilfebedürftigkeit.
- Förderung von Aktivität und Eigenverantwortung: Die Mitgestaltung des Zusammenlebens, gemeinsame Projekte und gegenseitige Unterstützung erhalten geistige und körperliche Fähigkeiten.
- Wirtschaftliche Vorteile: Wohnraum wird bedarfsgerecht genutzt, Kosten können reduziert und Ressourcen gemeinsam verwendet werden.
Planung und Umsetzung
Die Planung und Umsetzung eines gemeinschaftlichen Wohnprojekts ist in der Regel ein mehrjähriger Prozess.
Dabei können Kommunen, Wohnungsunternehmen, engagierte Bürgerinnen und Bürger, private Investorinnen und Investoren oder Genossenschaften unterschiedliche Rollen übernehmen. Die Akteure können beispielsweise Impulsgeber und Initiator sein, geeignete Rahmenbedingungen schaffen, weitere Akteure vernetzen oder selbst als Bauherr auftreten. Welche Rolle sinnvoll ist, hängt von den örtlichen Gegebenheiten und den jeweiligen Zielen ab.
Die Koordinationsstelle Wohnen im Alter begleitet Sie bei der Entwicklung passender Konzepte.
Gemeinschaftliche Wohnformen im Alter
Für das Wohnen im Alter gibt es unterschiedliche Wohnformen. Welche davon vor Ort sinnvoll und realisierbar ist, hängt von den Bedürfnissen der jeweiligen Zielgruppe, den vorhandenen Ressourcen sowie den örtlichen Rahmenbedingungen ab. Die folgende Zusammenstellung gibt einen Überblick über ausgewählte Wohnformen im Alter.
In einer Seniorenhausgemeinschaft leben ältere Menschen gemeinsam in einem Wohnhaus. Jede Partei verfügt über eine eigene, abgeschlossene Wohnung mit Küche und Bad, sodass die Privatsphäre vollständig gewährt bleibt. Herzstück dieses Wohnmodells sind die zusätzlichen Gemeinschaftsräume und Gartenflächen. Sie bieten Raum für Begegnung, gemeinsame Aktivitäten und gegenseitige Unterstützung im Alltag, können aber ebenso für private Feiern oder Besuche genutzt werden und erweitern damit den individuellen Wohnraum.
Zielgruppe
- Menschen, die ihre Eigenständigkeit schätzen, aber das sichere Gefühl einer verlässlichen Nachbarschaft suchen.
- Ältere Menschen, die selbstständig wohnen möchten und keine umfassende Pflege- oder Betreuungsversorgung benötigen.
In einer Mehrgenerationenhausgemeinschaft leben Menschen verschiedener Altersgruppen unter einem Dach. Jede Partei verfügt über eine eigene, abgeschlossene Wohnung mit Küche und Bad, sodass die Privatsphäre vollständig gewährt bleibt. Das Fundament dieses Modells ist das Prinzip von gegenseitiger und generationenübergreifender Hilfe: Jüngere Bewohnerinnen und Bewohner können ältere Nachbarinnen und Nachbarn beispielsweise bei Einkäufen oder technischen Fragen unterstützen, während Seniorinnen und Senioren etwa bei der Kinderbetreuung helfen oder Pakete entgegennehmen können. Gemeinsam genutzte Räume und Gärten bieten Platz für Begegnungen und Gemeinschaft.
Zielgruppe
- Seniorinnen und Senioren, die den lebendigen Kontakt zu Gleichaltrigen, aber auch zu Kindern und jungen Erwachsenen suchen.
- Menschen, die ein lebendiges Wohnumfeld und nachbarschaftlichen Austausch schätzen.
Senioren-Wohngemeinschaften
Zusammen in einem Haushalt, selbstständig im Alltag
Eine Senioren-Wohngemeinschaft (Senioren-WG) bietet ein Zusammenleben in einer gemeinsamen Wohnung. Dieses Modell erfordert die Bereitschaft, privaten Wohnkomfort zu teilen. Während jede Person ein eigenes Zimmer bewohnt, werden Funktionsräume wie Küche und Bäder gemeinschaftlich genutzt, auch eine gemeinsame Haushaltsführung ist denkbar.
Reine privat organisierte Wohngemeinschaften von Seniorinnen und Senioren wurden bislang nur selten realisiert. Sowohl die Gründung, aber auch die Organisation des Alltags erfordern einen hohen Koordinationsaufwand.
Zielgruppe
- Kontaktfreudige und gemeinschaftsorientierte Seniorinnen und Senioren, die Einsamkeit vermeiden möchten, Freude an gemeinsamen Aktivitäten haben und gegenseitige Unterstützung im Alltag schätzen.
- Kompromissbereite und kommunikative Menschen, die bereit sind, Wohnraum zu teilen und Entscheidungen gemeinsam zu treffen.
Ambulant betreute Wohngemeinschaften (abWG)
Vertraut wohnen, professionell begleitet
Eine ambulant betreute Wohngemeinschaft (abWG) ist eine Wohnform, mit dem Zweck, pflegebedürftigen Menschen das Leben in einem gemeinsamen Haushalt unter Inanspruchnahme externer Pflege- und Betreuungsleistungen zu ermöglichen. In ambulant betreuten Wohngemeinschaften leben bis zu zwölf Menschen mit Pflege- oder Betreuungsbedarf. Der Unterstützungs- und Pflegebedarf wird dabei durch Dienstleistungsunternehmen (z. B. ambulante Pflegedienste), aber auch durch Unterstützung von An- und Zugehörigen oder Ehrenamtlichen gedeckt. Die Mieterinnen und Mieter teilen sich Wohn-/Essbereich und Küche, während die Privatzimmer individuell gestaltet werden können.
Zielgruppe
- Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarfen, beispielsweise Personen mit Demenzerkrankung, somatisch pflegebedürftige Erwachsene, Menschen mit Intensivpflegebedarf sowie Menschen mit Behinderungen und einem hohen Betreuungs- oder Pflegeaufwand.
- Auch besondere Zielgruppen können angesprochen werden, beispielsweise pflegebedürftige Menschen mit Migrationsgeschichte, oder mit einem gemeinsamen kulturellen oder religiösen Hintergrund oder auch jüngere pflegebedürftige Erwachsene.
Die Koordinationsstelle Pflege und Wohnen in Bayern berät zu ambulant betreuten Wohngemeinschaften und deren Fördermöglichkeiten.
Für diese Wohnform ist eine Förderung im Rahmen der Förderrichtlinie „Selbstbestimmt Leben im Alter” (SeLA) nicht vorgesehen.
Betreutes Wohnen bzw. Servicewohnen
Beim Betreuten Wohnen leben ältere Menschen selbstbestimmt in einer eigenen, barrierearmen oder barrierefreien Wohnung. Diese Wohnform wird von Älteren häufig in Betracht gezogen, wenn das bisherige Zuhause zu groß geworden ist, Barrieren aufweist oder die alltägliche Versorgung zunehmend herausfordernd wird. Ergänzend zur barrierearmen Wohnung stehen verschiedene Service- und Unterstützungsangebote zur Verfügung. Die Grundleistungen werden in der Regel über eine monatliche Betreuungspauschale finanziert, weitere Leistungen können bei Bedarf gegen Entgelt hinzugebucht werden.
Das Betreute Wohnen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich weiterentwickelt und umfasst heute ein breites Spektrum unterschiedlicher Konzepte. Diese unterscheiden sich insbesondere hinsichtlich des Umfangs der Grund- und Wahlleistungen. In Bayern finden sich entsprechende Wohnanlagen sowohl in Städten als auch in kleineren Gemeinden. Sie reichen von überschaubaren Anlagen mit weniger als 15 Wohnungen bis hin zu größeren Wohnanlagen mit mehr als 150 Wohneinheiten. Die Wohnungen werden sowohl zur Miete als auch als Eigentum angeboten. Häufig sind weitere Versorgungsangebote wie ambulante Pflegedienste, Tagespflege oder stationäre Pflegeeinrichtungen räumlich angebunden und ermöglichen bei steigendem Unterstützungsbedarf kurze Wege.
Zielgruppe
- Personen mit weitgehend selbstständiger Lebensführung, die eine bedarfsgerechte Verfügbarkeit von Service- und Pflegeleistungen schätzen.
- Ältere Menschen mit dem Wunsch nach barrierearmem Wohnraum und der flexiblen Option auf ambulante Hilfsangebote.
Folgende Übersicht enthält weitere Informationen zu Betreuten Wohnen bzw. Servicewohnen.
Für diese Wohnformen ist eine Förderung im Rahmen der Förderrichtlinie „Selbstbestimmt Leben im Alter” (SeLA) nicht vorgesehen.
Förderung und Eckpunkte
Das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gewährt eine Anschubfinanzierung für innovative, gemeinschaftsorientierte Wohnprojekte und Unterstützungsstrukturen bis max. 40.000 € (Förderrichtlinie „Selbstbestimmt Leben im Alter – SeLa”). Der maximale Förderzeitraum beträgt zwei Jahre. Gefördert werden bis zu 90 % der förderfähigen Ausgaben (mindestens 10 % Eigenanteil).
Gefördert werden:
- Ausstattungskosten für die gemeinschaftlich genutzten Räume (z. B. seniorengerechte Möbel oder Küchengeräte für den Gemeinschaftsraum).
- Personal- und Honorarkosten für Koordinationskraft bzw. eine Moderatorin bzw. einen Moderator.
- Sachkosten für die notwendige Öffentlichkeitsarbeit (z. B. Flyer, Website zur Mitbewohnersuche).
Hier finden Sie weiterführende Informationen zur Förderung:
Rechtsgrundlagen Seniorenpolitik | Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales
Die grundlegenden Anforderungen und Rahmenbedingungen sind in den Eckpunktepapieren des Bayerisches Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales festgelegt. Diese dienen als wichtige Orientierung für Antragssteller.
Hier erhalten Sie weiterführende Informationen zum Thema:
- Eckpunktepapier für Seniorenhausgemeinschaften und Seniorenwohngemeinschaften (Senioren-WGs) des Bayerischen Sozialministeriums
- Eckpunktepapier für generationenübergreifende Wohnformen des Bayerischen Sozialministeriums
Die Koordinationsstelle Wohnen im Alter berät zur Förderung und unterstützt bei der Antragstellung.
Von der Idee zur Realisierung – die Projektphasen
Die Planung und Umsetzung eines gemeinschaftlichen Wohnprojekts lassen sich in fünf Phasen gliedern. Die Ausgangssituationen sind dabei sehr vielfältig; Manche Akteure verfügen bereits über konkrete Ideen, Partnerschaften oder einen Standort, andere stehen noch ganz am Anfang des Entwicklungsprozesses. Entsprechend können einzelne Schritte unterschiedlich gewichtet werden, parallel verlaufen oder in einer anderen Reihenfolge erfolgen. Die dargestellten Phasen dienen daher als Orientierung und zeigen zentrale Aufgaben und Fragestellungen auf dem Weg von der ersten Idee bis zur Umsetzung eines gemeinschaftlichen Wohnprojekts.
- Beteiligte und Interessierte zusammenbringen: Relevante Akteure identifizieren und in den Austausch bringen.
- Bedarfe und Potenziale ermitteln: Wünsche, Anforderungen und Rahmenbedingungen analysieren.
- Ziele definieren: Vorstellungen zum Wohnen, Zusammenleben und zur angestrebten Wohnform konkretisieren.
- Wohn- und Organisationskonzept entwickeln: Inhalte, Zielgruppen und Strukturen festlegen.
- Träger- und Organisationsform klären: Geeignete rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen prüfen.
- Finanzierung und Ressourcen planen: Finanzierungswege, Fördermöglichkeiten und notwendige Ressourcen identifizieren.
- Fachliche Unterstützung einbinden: Beratung und Erfahrungen bestehender Projekte nutzen.
- Standortpotenziale identifizieren: Grundstücke, Gebäude oder andere geeignete Flächen in den Blick nehmen.
- Kooperationen aufbauen: Eigentümerinnen und Eigentümer, Kommunen, Träger und / oder weitere mögliche Partner einbinden.
- Konzept konkretisieren: Wohn-, Nutzungs- und Gemeinschaftsbereiche detailliert planen.
- Finanzierung sichern: Fördermittel beantragen und Finanzierungsbausteine zusammenführen.
- Bau, Umbau oder Anpassung umsetzen: Planung, Genehmigungen und Realisierung begleiten.
- Strukturen für das Zusammenleben schaffen: Verantwortlichkeiten, Beteiligungs- und Kommunikationswege festlegen.
- Einzug und Inbetriebnahme organisieren: Den Übergang in die Nutzung gestalten.
- Gemeinschaft und Angebot weiterentwickeln: Das Zusammenleben, gemeinsame Aktivitäten und Unterstützungsstrukturen langfristig stärken.
Weiterführende Informationen
Weiterführende Informationen, Tipps und Hilfestellungen für die Planung einer Seniorenhausgemeinschaft oder einer generationenübergreifenden Wohnform finden Sie unter den folgenden Links.
In Bayern:
- Mitbauzentrale in München,
- Hof e.V. in Nürnberg
Bundesweit
- FORUM Gemeinschaftliches Wohnen e.V.
- Gemeinsam statt Einsam
- Stiftung Trias und Stiftung Trias Wohnprojekteportal
Erfolgreiche Praxisbeispiele zeigen, wie Wohnformen im Alter funktionieren können. Sie machen deutlich, welche Konzepte tragfähig sind, welche Herausforderungen gemeistert wurden und welche Rahmenbedingungen zum Gelingen beitragen. Durch den Blick auf bewährte Lösungen können neue Projekte gezielt von den Erfahrungen anderer profitieren und eigene Ideen effizient und praxisnah umsetzen.
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